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Sebadenitis – eine rätselhafte
Hautkrankheit
Aktueller Forschungsstand: WUAC Meeting 2007 Wiesbaden.
Universität Kassel
Allgemein
Die Sebadenitis (SA) des Hundes wurde 1985 erstmalig beschrieben.
Es handelt sich hierbei um eine Erkrankung, von der verschiedene
Rassen und auch Mischlinge betroffen sein können. Mittlerweile
ist jedoch eine deutliche Rasseprädisposition (Akita, Großpudel,
Hovawart, Magyar Vizsla, Chow-Chow und Samojede) bekannt. Beim Pudel
wurden in den USA inzwischen sehr viele Erkrankungen gezählt.
Die betroffenen Tiere werden in einer Datenbank (OFA: Orthopedic
Foundation of America) erfaßt.
Das wichtigste Kennzeichen der Sebadenitis stellt die entzündliche
Zerstörung der Talgdrüsen dar. Sie bricht in der Regel
bei Hunden in einem Alter zwischen 2 und 4 Jahren aus. Es konnten
aber auch Fälle mit Kankheitssymptomen im Alter von 1,5 J.
und 9J. beobachtet werden.
Im Folgenden sollen die Zusammenhänge nach dem aktuellen Wissenstand
näher erläutert werden.
Die idiopatische Sebadenitis
Als hervorzuhebendes Kennzeichen für Sebadenitis wird immer
wieder berichtet, dass sich der Eigengeruch der Hunde deutlich verändert:
Sie riechen wie “drei Tage getragene Socken“.
Die ersten Anzeichen der Krankheit treten in der Regel am Kopf,
an den Ohren und am Rumpf auf. Sie breiten sich von dort über
den Rücken aus, wobei häufig ein typischer Rattenschwanz
ausgebildet wird. Das Haar erscheint dünner, fast "mottenfraßähnlich".
In manchen Fällen verändert sich die Fellfarbe. Bei einigen
Hunden kommen auch Pusteln, Schuppen und gelblichbraune Beläge
zusammenhaftend mit Haaren vor. In der Regel wurde ein großer
Verlust der Unterwolle beobachtet.
Dass die Hunde unter Juckreiz leiden können, ist auf eine
Sekundärinfektion mit z.B. Staphylokokken zurückführbar.
Warum plötzlich körpereigene Gewebe, hier die Talgdrüsen,
attackiert werden, ist unbekannt. Jedenfalls sind bisher keine Viren,
Bakterien oder Pilze als primäre Verursacher nachgewiesen worden.
Wie jetzt erstmalig auch beim Akita durch unsere Arbeiten gezeigt
werden konnte, folgt die Sebadenitis höchstwahrscheinlich einem
autosomal rezessiven Vererbungsmuster. Man spricht in diesen Fällen
von einer Genodermatose.
Hierzu wurde eine Vielzahl verfügbarer Pedigrees mit kranken
und gesunden Hunden einer mathematisch statistischen Analyse unterzogen.
Damit ist nahezu ausgeschlossen, dass Umweltfaktoren den primären
Verursacher für die Krankheit darstellen.
Er wird aber vermutet, dass auch Stresssituationen den Ausbruch
der Erkrankung begünstigen können.
Bisher lassen sich jedoch keine signifikanten Beziehungen zwischen
der Dauer der Erkrankung und dem Grad der Sebadenitis ableiten.
Es hat sich als besonders schwierig erwiesen, herauszufinden, in
welchem Stadium der Erkrankung sich ein SA-Patient gerade befindet.
So gibt es Hunde bei denen die Zerstörung aller Talgdrüsen
schon nach 2 Monaten erreicht ist oder andere Individuen, bei welchen
SA über Jahre hinweg, schubweise auftretend, als ein eher schleichender
Prozess beobachtet wird.
Das Voranschreiten der Erkrankung kann also individuell sehr verschieden
sein.
Wenn infolge der Entzündungsreaktion auch die Stammzellen
einer Talgdrüse vernichtet wurden, führt das dazu, dass
eine Regeneration unmöglich wird. Dieser Fall tritt in der
Regel während der letzten Phase der Erkrankung ein.
Von daher ist es zurzeit im Rahmen der SA-Forschung von größtem
Interesse, herauszufinden, welche Mechanismen dazu führen,
dass die Talgdüsen von Zellen des Immunsystems zerstört
werden und welche genetischen bzw. vererbten Ursachen (Genodermatose)
diesen Prozess triggern.
Ursachenforschung
Ein wichtiger Ansatzpunkt um die Ursachenforschung weiter voran
zu bringen war, dass histologische Untersuchungen verdeutlichen,
dass Zellen/Komponenten des Immunsystems massiv an dem Zerstörungsprozess
teilhaben. Es sind aber keine Bakterien, Viren oder Pilze als Verursacher
der Krankheit nachzuweisen, sondern die Reaktionen laufen gegen
körpereigene Stoffe/Zellen.
Bisher deuten aktuelle molekulargenetische Forschungsergebnisse
darauf hin, dass höchstwahrscheinlich SA-positive Hunde im
Blut Veränderungen aufweisen, die jedoch momentan noch nicht
eindeutig zuzuordnen sind. Da aber im Blut viele Komponenten des
Immunsystems transportiert werden, die sich später an den Talgdrüsen
wieder finden lassen, bearbeiten wir folgende Fragen:
1. Welche exakten Zusammenhänge bestehen zwischen dem Immunsystem/Blut
und den Talgdrüsen?
2. Über welchen genetischen Hintergrund werden diese Prozesse
getriggert?
Zurzeit verfolgen wir einen molekulargenetischen Ansatz. Hierzu
prüfen wir eine Veränderung in einem Gen, welche sich
als sehr prominent in betroffenen Akitas herausgestellt hat.
Es bleibt abzuwarten, wie häufig diese genetische Veränderung
bei einer größeren Stichprobe von erkrankten Akitas vertreten
ist. Hierzu benötigen wir dringend Ihre Hilfe in Form von Blutproben
von SA- erkrankten Hunden.
Da immer wieder neue SA-Akitas gemeldet werden, wäre es schön,
wenn wir unsere statistischen Analysen mit den Stammbäumen
/ Ahnentaflen von betroffenen Hunden ergänzen könnten.
Das schaffen wir jedoch 2nur, wenn uns hierbei engagierte Züchter
und Halter mit relevanten Pedigrees unterstützen.
Wir möchten in diesem Zusammenhang allen Akita – Freunden
danken, die das Forschungsprojekt so weit vorangebracht haben.
Blutproben und Pedigrees/Ahnentafeln von SA-erkrankten Akitas bitte
senden an:
(Daten werden streng vertraulich behandelt!)
PD. Dr. Ina Pfeiffer
Insitut für Biologie
Universität Kassel
Heinrich – Plett Strasse 40
34109 Kassel
Tel 0561 804 4775
ipfeiff@gwdg.de |