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Das Fell ist glanzlos, trocken und brüchig. Des Weiteren
verändert sich der Eigengeruch der Hunde: Sie riechen wie
“drei Tage getragene Socken“.
Wie bereites erwähnt, können bei mikroskopischen Untersuchungen
der Haut, unterschiedliche Entzündungsgrade festgestellt
werden.
Im Anfangsstadium findet man an und in den Talgdrüsen viele
unterschiedliche Zellen des Immunsystems.
Man bezeichnet das auch als perifollikuläre Granulome (Ansammlungen
von vielen Zellen ohne Bindegewebe). Dieses Zellinfiltrat besteht
aus Abwehrzellen, wie Makrophagen, Lymphozyten, Plasmazellen und
neutrophilen Granulozyten. Die Haarfollikel selbst bleiben bei
diesen Vorgängen weitestgehend verschont.
Im Endstadium haben die oben genannten Immunzellen dann dafür
gesorgt, dass das Talgdrüsengewebe zerstört ist und
mikroskopisch keine Talgdrüsenstruktur mehr erkennbar ist
(1).
Bisher hat man die Sebadenitis sowohl bei Rüden als auch
Hündinnen festgestellt, wobei keine Fellfarbenprädisposition
zu ermitteln war.
Die ersten Anzeichen der Krankheit treten in der Regel am Kopf,
an den Ohren und am Rumpf auf. Sie breiten sich von dort über
den Rücken aus. Das Haar erscheint dünner, fast "mottenfraßähnlich".
In manchen Fällen verändert sich die Fellfarbe. Bei
einigen Hunden kommen auch Pusteln, Schuppen und gelblichbraune
Beläge zusammenhaftend mit Haaren vor. In der Regel wurde
ein großer Verlust der Unterwolle beobachtet.
Dass die Hunde unter Juckreiz leiden, ist auf eine Sekundärinfektion
mit z.B. Staphylokokken zurückführbar (2).
Warum plötzlich körpereigene Gewebe (Talgdrüse)
attackiert werden, ist unbekannt. Jedenfalls sind keine Viren,
Bakterien oder Pilze der primäre Verursacher.
Wie beim Pudel gezeigt werden konnte, folgt die Sebadenitis einem
autosomal rezessiven Vererbungsmuster*1, man
spricht in diesen Fällen von einer Genodermatose *2 (3).
Neben der Genodermatose wird vermutet, dass auch
Stresssituationen die Erkrankung auslösen können. Es
wurden aber auch Fälle beobachtet, bei denen die Gabe von
Glukokortikoiden *3 verantwortlicher Faktor war
(3).
Bisher lassen sich keine signifikante Beziehungen zwischen der
Dauer der Erkrankung und dem Grad der Sebadenitis ableiten. Es
hat sich als besonders schwierig erwiesen, herauszufinden, in
welchem Stadium der Erkrankung sich ein SA- Patient gerade befindet.
So gibt es Hunde bei denen die Zerstörung aller Talgdrüsen
schon nach 2 Monaten erreicht ist oder es gibt Individuen, bei
denen SA über Jahre hinweg, schubweise auftretend, ein eher
schleichender Prozess ist. Das Voranschreiten der Erkrankung kann
also individuell sehr verschieden sein (3).
Wenn infolge der Entzündungsreaktion auch die Stammzellen
einer Talgdrüse vernichtet wurden, führt das dazu, dass
eine Regeneration unmöglich wird. Dieser Fall tritt in der
letzten Phase der Erkrankung ein.
Von daher ist es zur Zeit im Rahmen der SA- Forschung von größtem
Interesse, herauszufinden, welche Mechanismen dazu führen,
dass die Talgdüsen von Zellen des Immunsystems zerstört
werden und welche genetischen bzw. vererbten Ursachen (Genodermatose)
diesen Prozess triggern *4.
Ursachenforschung
Ein wichtiger Ansatzpunkt um die Ursachenforschung weiter voran
zu bringen war, dass mikroskopische Untersuchungen verdeutlichen,
dass Zellen/Komponenten des Immunsystems massiv an dem Zerstörungsprozess
teilhaben. Es sind aber keine Bakterien, Viren oder Pilze als
Verursacher der Krankheit nachzuweisen, sondern die Reaktionen
laufen gegen körpereigene Stoffe/Zellen.
Besonders interessant in diesem Zusammenhang war, sobald diese
Reaktionen über immunsuppressive Medikamente ausgeschaltet
werden (z.B. Cyclosporin), verzögert sich der Krankheitsverlauf.
Setzt man das Medikament ab, fällt der Patient kurze Zeit
später wieder in den Ausgangszustand zurück und die
Krankheit nimmt ihren Lauf (1).
Es gilt also herauszufinden, was genau diese Fehlsteuerung des
Immunsystems verursacht, dass nämlich körpereigene Zellen,
hier die Talgdrüse, angegriffen wird.
Bisher hat die Forschung uns gezeigt, dass höchstwahrscheinlich
SA- positive Hunde im Blut Veränderungen aufweisen, die wir
jedoch momentan noch nicht zuordnen können. Da aber im Blut
viele Komponenten des Immunsystems transportiert werden, die sich
später an den Talgdrüsen wieder finden lassen, stellen
sich folgende Fragen:
1. Welche exakten Zusammenhänge bestehen zwischen dem Immunsystem/Blut
und den Talgdrüsen?
2. Über welchen genetischen Hintergrund werden diese Prozesse
getriggert?
Momentan werden beide Fragen mit verschiedenen methodischen Ansätzen
bearbeitet, um neue Erkenntnisse über die mysteriöse
Hauterkrankung SA zu sammeln. Da das Immunsystem sehr komplex
aufgebaut ist und eine Vielzahl von Interaktionen ablaufen, ist
die Ursachensuche vielschichtig.
Aber auch den Schlüssel und die Zusammenhänge zu den
genetisch getriggerten Ursachen ausfindig zu machen, ist mit vielen
Experimenten verbunden.
Ohne die Unterstützung von engagierten Züchtern und
Haltern und ohne Biopsien, Blutspenden wäre das Fortschreiten
der SA- Studie nicht vorstellbar und wir danken allen, die uns
hierbei helfen.
PD Dr. Ina Pfeiffer
Institut für Biologie
Universität Kassel
Heinrich-Plett-Straße 40
34109 D-Kassel
Berücksichtigte Literaturquellen:
(1) Linek M, Boss C, Haemmerling
R, Hewicker-Trautwein M, Mecklenburg L.:
“Effects of cyclosporine A on clinical and histologic abnormalities
in dogs with sebaceous
adenitis”. J Am Vet Med Assoc. 2005 Jan 1;226(1):59-64
(2) Sousa CA.: „Sebaceous adenitis“.
Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2006 Jan;36(1):243-9.
(3) Reichler IM, Hauser B, Schiller I, Dunstan
RW, Credille KM, Binder H, Glaus T, Arnold S.:”
Sebaceous adenitis in the Akita: clinical observations, histopathology
and heredity”
Vet Dermatol. 2001 Oct;12(5):243-53.
Erläuterungen (Begriffe):
*1: autosomal rezessives Vererbungsmuster:

Beim autosomal-rezessiven Erbgang werden Defektgene, die für
die Ausprägung des gleichen Merkmales verantwortlich sind
von den Elterntieren an die Nachkommen weitergegeben.
Nur wenn beide Elterntiere das Defektgen weitergeben, kommt die
Erkrankung zum Ausbruch. Erbt eine Nachzucht nur ein verändertes
Gen vom Rüden oder von der Hündin, erkrankt sie nicht
selbst, vererbt dieses Gen aber an die eigenen Nachkommen weiter.
Meist sind beide Elternteile "gesund" und heterozygot
und geben das kranke Gen an die Nachkommen weiter.
Ein Nachkomme kann bei einem autosomal-rezessiven Erbgang, nur
erkranken, wenn beide Elterntiere (Rüde und Hündin)
Träger des defekten Allels sind. So kann die Krankheit auch
mal mehrere Generationen überspringen, bevor sie wieder zum
Ausbruch kommt.
Die Wahrscheinlichkeit, von der Erbkrankheit betroffen zu sein,
liegt für die Nachkommen bei 25 %.
Ist ein Elterntier bereits erkrankt, bzw. die Krankheit zum Zeitpunkt
der Verpaarung noch nicht ausgebrochen, so steigt die Wahrscheinlichkeit
der Nachkommen ebenfalls zu erkranken auf 50 % an.
Sind beide Elterntiere von der Erbkrankheit betroffen, ohne dass
diese zum Zeitpunkt der Verpaarung bereits ausgebrochen ist, werden
100% der Nachkommen ebenfalls unter der Erbkrankheit leiden, unabhängig
vom Geschlecht.
*2 : Genodermatose:
Dermatose= Der|ma|tose, Dermatosis. engl.: dermatosis. krankhafte
Hautveränderung jeglicher Art,
Geno= genetisch bedingt, Gen
*3 : Glukokortikoide:
Glukokortikoide (andere Schreibweise: Glucocorticoide) zählen
zu den Kortikoiden, einer
Klasse von Steroid-Hormonen
aus der Nebenniere. Die wichtigsten
Vertreter der Glucocorticoide sind Kortison,
Kortisol und Kortikosteron.
Alle Kortikoide sind Derivate des Progesterons
(?4-Pregnen-3,20-dion).
Die Glukokortikoide haben vielfältige physiologische Wirkungen.
Sie beeinflussen den Stoffwechsel, den Wasser- und Elektrolythaushalt,
das Herz-Kreislaufsystem und das Nervensystem. Ferner wirken sie
entzündungshemmend und immundepressiv.
*4: Triggern:
Der Begriff "triggern" stammt aus dem Englischen und
steht für Schalten, mehr noch für Auslöser
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